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Sechs Fragen zur digitalen Souveränität Ihres Unternehmens

Aktualisiert: vor 1 Tag


Ehrlicher Selbsttest statt Fragebogen für die Schublade


Digitale Souveränität klingt abstrakt. Die Fragen dahinter sind sehr konkret, und die meisten davon lassen sich in einem einzigen Gespräch klären.

Sechs Fragen reichen aus, um einen ersten, ehrlichen Blick auf Ihre eigene Position zu werfen.


1. Wissen Sie, wo Ihre kritischen Unternehmensdaten liegen?


Viele Unternehmen kennen ihre Hauptanbieter. Deutlich seltener wissen sie, in welchem Rechenzentrum, in welchem Land und unter welcher Rechtsordnung ihre wichtigsten Daten tatsächlich gespeichert sind.

Diese Unterscheidung ist keine akademische Frage. Auch Anbieter mit europäischem Standort können ausländischem Recht unterliegen, etwa wenn die Muttergesellschaft außerhalb der EU sitzt. Genau diese Unterscheidung steht im Zentrum der Debatte um digitale Souveränität in Europa.


2. Könnten Sie einen zentralen Anbieter wechseln – ohne Datenverlust?


Diese Frage prüft, wie fest ein System tatsächlich verankert ist. Ein Wechsel ohne Datenverlust setzt voraus, dass Ihre Daten in einem offenen, portablen Format vorliegen und Exportwege dokumentiert sind.

Können Sie diese Frage nicht sofort beantworten, haben Sie diesen Test vermutlich noch nicht durchgeführt. Genau ein solcher Test gehört zu den wirksamsten Mitteln, um Abhängigkeiten sichtbar zu machen.


3. Verstehen Sie die Vertragsbedingungen Ihrer Kernsysteme?


Verträge zu Kernsystemen sind oft lang, technisch und juristisch komplex. Entscheidend sind dabei wenige Punkte: Laufzeiten, Kündigungsfristen, Kosten für den Datenexport und Regelungen zur Datenverarbeitung durch Dritte.

Fehlt dieses Verständnis, entscheidet im Ernstfall nicht Ihr Unternehmen über die Konditionen eines Wechsels, sondern der bestehende Anbieter.


4. Haben Sie Alternativen für kritische Technologien evaluiert?


Eine bewusste Abhängigkeit unterscheidet sich von einer zufälligen durch bekannte Alternativen. Das bedeutet vor allem die Möglichkeit, im Bedarfsfall zu wechseln.

Eine aktuelle Studie des Digitalverbands Bitkom zeigt, wie eng dieser Punkt mit der wirtschaftlichen Realität verknüpft ist. 90 Prozent der Unternehmen, die digitale Technologien oder Leistungen aus dem Ausland beziehen, sehen sich selbst als von diesen Importen abhängig. [1] Eine geprüfte Alternative verändert diese Ausgangslage grundlegend.


5. Wer ist bei Ihnen für Technologieentscheidungen verantwortlich?


Digitale Souveränität scheitert seltener an fehlendem Wissen als an fehlender Zuständigkeit. Wenn niemand explizit verantwortlich ist, trifft am Ende oft Zufall oder Gewohnheit die Entscheidung.

Führungskräfte sollten diese Verantwortung klar benennen, auch dann, wenn die operative Umsetzung bei der IT-Abteilung liegt. Die strategische Bewertung von Abhängigkeiten bleibt eine Führungsaufgabe.


6. Was würde passieren, wenn ein Kerndienst morgen wegfällt?


Dieses Gedankenexperiment bringt viele der vorangegangenen Fragen zusammen. Es zeigt, wie schnell theoretische Abhängigkeit zu einem echten Betriebsrisiko wird.

Auch auf europäischer Ebene wird dieses Risiko inzwischen politisch ernst genommen. Mit dem vorgeschlagenen Cloud and AI Development Act will die Europäische Kommission die Abhängigkeit von wenigen, überwiegend außereuropäischen Anbietern gezielt verringern. Die Kommission verweist dabei auf einen deutlichen Rückgang des Marktanteils EU-basierter Cloud-Anbieter, von rund 29 Prozent im Jahr 2017 auf etwa 15 Prozent im Jahr 2022. [2] Was europäische Institutionen strategisch beschäftigt, betrifft einzelne Unternehmen ganz konkret.


Was diese sechs Fragen zeigen


Die wenigsten Unternehmen können alle sechs Fragen auf Anhieb beantworten. Das allein ist bereits ein Ergebnis, denn es zeigt, wo blinde Flecken liegen.

Die Größe eines Unternehmens spielt dabei eine untergeordnete Rolle. Auch international tätige Konzerne tun sich mit einzelnen dieser Fragen schwer, wie CIO-Gespräche im Rahmen einer McKinsey-Analyse zeigen. Führungskräfte gaben dort an, dass Daten- und Technologiesouveränität in ihren Organisationen größtenteils noch nicht erreicht sei. [3]

Entscheidend ist, die Fragen zu stellen und die Antworten ehrlich zu dokumentieren.



Quellen

  1. Bitkom Research (2025): Digitale Souveränität 2025 – Wie abhängig ist unsere Wirtschaft? Digitalverband Bitkom e. V. https://www.bitkom.org/sites/main/files/2025-02/2025-bitkom-studienbericht-digitale-souveraenitaet.pdf

  2. Inside Global Tech (2026): The EU Cloud and AI Development Act in Depth. https://www.insideglobaltech.com/2026/06/11/the-eu-cloud-and-ai-development-act-in-depth/

  3. McKinsey & Company (2025): Future-proofing the IT function amid global trends and disruptions. https://www.mckinsey.com/capabilities/mckinsey-digital/our-insights/tech-forward/future-proofing-the-it-function-amid-global-trends-and-disruptions

 
 
 

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