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Mensch und Automatisierung – warum das kein Widerspruch ist

Automatisierung ersetzt keine Menschen. Sie verändert, womit Menschen ihre Zeit verbringen.


„Automatisierung kostet Arbeitsplätze." Das ist eine verbreitete Sorge und zutiefst verständlich. In der Praxis zeigt sich meistens etwas anderes: Aufgaben verschieben sich und damit auch Stellenbeschreibungen. Die automatisierten Tätigkeiten werden obsolet, die Menschen dahinter nicht.



Was ändert Automatisierung tatsächlich?


Automatisierung greift dort, wo Arbeit vorhersehbar, regelbasiert und wiederholbar ist. Diese Beschreibung ist aufgabenspezifisch. Nun bestehen die meisten Berufsbilder aus einem Aufgabenmix: routinemäßigen und auch solchen, die Urteilsvermögen, Kommunikation oder kontextuelles Denken erfordern. Automatisierung verändert diese Zusammensetzung, oft nicht Berufsbilder als Ganzes.


Wie sich dieser Wandel konkret vollzieht, hat das McKinsey Global Institute im November 2025 untersucht. [1] Die zentrale Erkenntnis war: Mehr als 70 % der heutigen Kompetenzen lassen sich sowohl in automatisierbaren als auch in nicht-automatisierbaren Tätigkeiten einsetzen. KI macht somit menschliche Fähigkeiten nicht zwingend obsolet. Vielmehr und zweifelsfrei verändert sie, wo und wie sie zum Einsatz kommen.


Dazu kommt, dass Maschinen in verschiedenen Situationen versagen: Sie können weder komplexe Situationen einordnen, Vertrauen aufbauen und in unsicheren Lagen entscheiden, noch Widersprüche aushalten. In einem automatisierten Umfeld sind diese Fähigkeiten umso wertvoller. Automatisierung reduziert also nicht den grundsätzlichen Bedarf an Menschen. Sie verändert dafür umso klarer, wozu Menschen gebraucht werden.


Wenn Sie somit Automatisierung hauptsächlich als Stellenabbau betrachten, optimieren Sie kurzfristig. Erkennen Sie sie als Aufgabenverschiebung, gestalten Sie langfristig.



Wie verändern sich Rollen, wenn Routinearbeit wegfällt?


Wenn Routineaufgaben wegfallen, entsteht freie Kapazität. Was damit geschieht, ist Ihre Aufgabe als Führungskraft. Setzen Sie die Richtung! Denn Mitarbeiter:innen, die Zeit gewinnen, ohne zu wissen, was Sie von ihnen erwarten, füllen diese Zeit mit dem, was sie kennen. So verpufft der Effizienzgewinn.


Stattdessen können Sie umpriorisieren: Geben Sie Aufgaben, für die bisher keine Zeit war, Raum. Führen Sie Gespräche, die bisher zu kurz gekommen sind. Gehen Sie Analysen an, die bisher liegengeblieben sind. Mitarbeiter:innen arbeiten gerne an Dingen, bei denen ihre Erfahrung zählt. Zudem schafft Automatisierung neue Tätigkeiten, wie das Überwachen von Prozesse, Beurteilen von Ausnahmen oder Einordnen von Ergebnissen.


Bis 2030 werden durch Automatisierung und KI weltweit ganze 92 Millionen Stellen wegfallen. Gleichzeitig entstehen 170 Millionen neue. [2] Das stellt das World Economic Forum im Future of Jobs Report 2025 fest. Der Nettoeffekt ist eindeutig positiv. Wo liegt also die Herausforderung? Sie liegt im Übergang, weswegen 77 % der befragten Unternehmen planen, ihre Mitarbeiter:innen bis 2030 weiterzubilden.



Automatisierung als Chance für Qualifikation und Fokus


Was wird möglich, das davor nicht möglich war, wenn Routinearbeit wegfällt? Dieser verschobene und essenzielle Zugang geht in der Diskussion über Automatisierung oft unter.


Nähern Sie sich den neuen Möglichkeiten darüber, was bisher zu kurz kommt. Das reicht von Gesprächen mit Kund:innen, die Tiefe brauchen, über Analysen, die profunde Entscheidungsgrundlagen schaffen, bis zu anspruchsvollen Aufgaben, bei denen Erfahrung und Urteilsvermögen zu deutlich besseren Ergebnissen führen. Mitarbeiter:innen, die täglich Stunden mit manueller Datenpflege, standardisierten Berichten oder repetitiven Anfragen verbringen, haben für all diese Punkte bisher kaum Kapazität. Wenn Sie Automatisierung gezielt einsetzen, schaffen Sie Freiräume für die benötigten Tätigkeiten.


Konkrete Beispiele dafür gibt McKinsey im November-2025-Bericht. [1] Ein Technologiekonzern setzt KI-Agenten für die Vorqualifikation von Verkaufskontakten ein. Vertriebsmitarbeiter:innen gewinnen damit Zeit für Verhandlungen und Beziehungsaufbau. Ein Versorgungsunternehmen beantwortet Standardanfragen automatisiert, halbiert die Kosten pro Kundenkontakt und konzentriert Menschen auf komplexe und emotional schwierige Fälle. Schwerpunkte verlagern sich also.


Damit zeigen sich zwei fundamental unterschiedliche Zugänge: Automatisierung als Effizienzmaßnahme zielt auf Kostensenkung. Unter dem Gesichtspunkt einer Entwicklungschance zielt sie auf Qualität, Fokus und langfristige Wettbewerbsfähigkeit ab.



Was können Führungskräfte tun, um den Übergang zu gestalten?


Ohne Begleitung durch Führungskräfte erzeugt Automatisierung Unsicherheit. Es kommen Fragen wie: „Wird meine Stelle noch gebraucht? Sind meine Kompetenzen noch relevant? Passiert die Veränderung für mich oder an mir vorbei?" Diese rationale und zutiefst menschliche Unsicherheit zeigt, dass Kommunikation fehlt.


Kommunizieren und Begleiten

Sprechen Sie also früh und konkret über die Änderungen: Welche Aufgaben automatisieren Sie, was bleibt unverändert? Was erwarten Sie danach von den betroffenen Personen? Schaffen Sie Raum zum Lernen, wenn Sie vermeiden möchten, dass Mitarbeiter:innen innerlich kündigen oder zu Mitbewerbern wechseln, die sie im Übergang begleiten. In einem Veränderungsprozess, d.h. wenn Aufgaben oder Organisationsbereiche wegfallen und neue entstehen, brauchen Menschen Zeit und Unterstützung. Ohne dieses Angebot verlieren Sie sie.


Erwartungen offen benennen

Definieren Sie, was nach der Automatisierung Erfolg bedeutet. Wenn Routinearbeit wegfällt, ändern sich schließlich auch die Maßstäbe. Welche Ergebnisse und Beiträge erwarten Sie? Was und wie bewerten Sie diese? Nur mit klaren Antworten führen Sie Ihre Mitarbeiter:innen zu Ihrer Vision. Ohne tun Menschen im besten Fall, das was sie kennen und können, so wie bisher und treffen selbst Annahmen. Im schlimmsten Fall bleiben sie auf der Strecke.


Eine Wissensgrundlage bilden

Der EU AI Act ist eine Voraussetzung dafür, dass Ihre Mitarbeiter:innen Schritt halten können und gleichzeitig das Risiko für Ihr Unternehmen kontrollierbar bleibt. Er verpflichtet Unternehmen, die KI einsetzen, ausreichende KI-Kompetenz bei den beteiligten Personen sicherzustellen. [3] Für den Erfolg Ihres Automatisierungsprojekts ist das eine Grundvoraussetzung.



Was bedeutet das für Ihre Organisation?


Automatisierung ist ein fortlaufender Prozess der Anpassung. Stellen Sie sich auf neue Werkzeuge, neue Aufgaben und auch neue Erwartungen ein. Führungskräfte, die diesen Sprung meistern, haben eines gemeinsam: Sie nehmen den menschlichen Teil der Automatisierung genauso ernst wie den technischen. Dabei erklären sie, was sich verändert, begleiten ihre Mitarbeiter:innen und kommunizieren klar, wie es nach den ersten Anpassungen weitergeht.


Möchten Sie, dass Ihre Investition in Automatisierung tatsächlich Wirkung entfaltet? Dann ist dieser Zugang die Voraussetzung dafür.



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Quellen


  1. McKinsey Global Institute (November 2025): Agents, Robots, and Us: Skill Partnerships in the Age of AIhttps://www.mckinsey.com/mgi/our-research/agents-robots-and-us-skill-partnerships-in-the-age-of-ai

  2. World Economic Forum (Januar 2025): The Future of Jobs Report 2025https://www.weforum.org/publications/the-future-of-jobs-report-2025/

  3. European Commission (2024): EU Artificial Intelligence Acthttps://digital-strategy.ec.europa.eu/en/policies/european-approach-artificial-intelligence

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